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Freelance vs. Festanstellung: Verträge im deutschen Techmarkt 

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Freelance vs. Festanstellung: Verträge im deutschen Techmarkt 

Freelance oder Festanstellung in Deutschlands Techzentren Berlin und München. Dieser Guide erklärt rechtliche, finanzielle und Lifestyle Faktoren für IT Engineers in DevOps, Software Engineering und Cyber Security. 

Was spricht aus Sicht von IT Engineers für eine Festanstellung? 

Kurz gesagt: Festanstellung bietet dir planbares Einkommen, starke soziale Sicherung und weniger Verwaltungsaufwand. Für viele Mid Senior Engineers in Deutschland ist sie deshalb weiterhin Default. Durchschnittlich liegen Gehälter für Software Developer bundesweit um die 60.000 bis 70.000 Euro im Jahr, DevOps und Cloud Engineers oft darüber. In Berlin und München bewegen sich Median Gehälter für Software Engineers je nach Quelle im Bereich von rund 80.000 bis 90.000 Euro Gesamtvergütung, mit deutlichen Ausschlägen nach oben in Konzernen und Big Tech.Dazu kommen Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, die im Schnitt etwa 20 bis 22 Prozent deines Bruttolohns ausmachen. 
 
In einer Festanstellung läuft vieles automatisch im Hintergrund. Dein Arbeitgeber führt Lohnsteuer und Sozialabgaben ab, du profitierst von gesetzlicher Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. On top erhältst du bezahlten Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, oft ein Weiterbildungsbudget und bei gut verhandelten Verträgen Boni, Aktienpakete oderMobilitätszuschüsse. Für viele Engineers, die eher auf Produktentwicklung als auf Akquise und Buchhaltung fokussieren wollen, ist das ein entscheidender Punkt. 
 
Gerade in Branchenzentren wie München mit starken Playern aus Automotive, Halbleitern und Industrie, etwa BMW, Infineon oder TSMC, sind Festanstellungen mit klaren Karrierepfaden weit verbreitet.In Berlin wiederum kombinieren viele Engineers Festanstellung in Scale ups oder etablierten Tech Firmen mit einer sehr flexiblen Arbeitskultur, Remote Optionen und mitunter einer Vier Tage Woche. Wenn dir Stabilität, Teamkultur und berechenbare Strukturen wichtig sind, ist die Festanstellung der ruhigere Weg durch den Recruiting Dschungel. 

Was bedeutet es, als IT Freelancer in Deutschland zu arbeiten? 

Als IT Freelancer tauschst du Stabilität gegen Freiheit, höhere Tagessätze und mehr Eigenverantwortung. Marktstudien zeigen: Hochqualifizierte IT Freelancer in Deutschland liegen im Schnitt bei rund 98 bis 104 Euro pro Stunde, je nach Quelle und Segment. Auf der Marktseite gilt: Die durchschnittlichen Stundensätze steigen zwar, der Projektsmarkt ist aber zyklisch. Du verdienst also im Projekt sehr gut, aber du trägst das Auslastungsrisiko in Flautenselbst. 

Der zentrale Punkt heißt Scheinselbstständigkeit. Sobald du de facto wie eine oder ein Angestellter im Unternehmen eingebunden bist, aber als Freelancer abrechnest, droht eine spätere Einstufung als abhängige Beschäftigung. Die Deutsche Rentenversicherung warnt ausdrücklich: Wird im Rahmen einer Betriebsprüfung festgestellt, dass doch ein Arbeitsverhältnis vorlag, können Sozialversicherungsbeiträge für mehrere Jahre nachgefordert werden, inklusive Säumniszuschlägen. Auch Auftraggeber tragen dieses Risiko, etwa in Form von Nachzahlungen und möglicher Haftung der Geschäftsführung. 
 
Typische Risikofaktoren sind etwa nur ein Hauptauftraggeber über längere Zeit, feste Arbeitszeiten im Büro des Kunden, Weisungsgebundenheit gegenüber Führungskräften des Kunden und keineeigenen Mitarbeitenden oder keine unternehmerische Struktur. Handelskammern und Beratungen empfehlen deshalb häufig, klare Projektverträge (Werkvertrag oder Dienstvertrag) zu nutzen, mehrere Auftraggeber zu haben und eigene Arbeitsmittel sowie Prozesse einzubringen. 
 Dazu kommen steuerliche Pflichten. Als Freelancer bist du in der Regel umsatzsteuerpflichtig, musst Rechnungen mit korrekter Mehrwertsteuer stellen, Umsatzsteuervoranmeldungen abgebenund Einkommensteuer Vorauszahlungen leisten. Gerade in der IT lohnt es sich, früh eine Steuerberatung einzubinden, weil die Kombination aus Auslandskunden, Remote Arbeit und unterschiedlichen Vertragsformen komplex werden kann. Die Kehrseite: Wer sauber aufsetzt, kann flexibel mit internationalen Kunden arbeiten und Projekte bewusst so gestalten, dass sie nicht in eine Grauzone rutschen. 

Wie schneiden Freelance und Festanstellung finanziell im Vergleich ab? 

Vereinfacht gesagt: Profi Freelancer können brutto deutlich mehr einnehmen, der Abstand schrumpft aber durch Versicherungen, Steuern, Ausfallzeiten und Akquise Aufwand. Stell dir zwei Szenarien vor.  

Unter dem Strich kannst du als Freelancer also Netto über einer gut bezahlten Festanstellung liegen, aber der Vorsprung ist kleiner, als der Tagessatz vermuten lässt, und schwankt mit deinerAuslastung. In wirtschaftlich schwächeren Phasen oder wenn Projekte auslaufen, trägst du die Lücke allein.

Freelance oder Festanstellung: Wie triffst du eine klare Entscheidung? 

Die pragmatische Antwort: Lege deine Ziele, deinen Risikohunger und deine Lebenshaltungskosten nebeneinander und entscheide entlang dieser drei Achsen. Wenn dir Sicherheit, planbares Einkommen und Benefits wie bezahlter Urlaub und Elternzeit wichtig sind, bist du mit einer gut verhandelten Festanstellung. Wenn du bereit bist, Schwankungen in Kauf zu nehmen, aktiv Akquise zu betreiben und dich als Marke zu positionieren, kann Freelancing dir mehr Einkommen und Freiheit bringen, gerade in Nischen wie Cloud, DevOps oder Cyber Security, in denen spezialisierte Expertise knapp ist. Für die Praxis hilft eine kleine Checkliste: 
 
Festanstellung passt eher, wenn du finanzielle Planungssicherheit brauchst, eine langfristige Aufenthaltsperspektive in Deutschland aufbauen willst oder dich in einer Führungsrolle in Produktoder Plattform Teams siehst. 
 
Freelancing passt eher, wenn du bereits ein solides Netzwerk hast, deine Skills klar in Richtung knapp besetzter Spezialgebiete gehen und du Freude daran hast, dich regelmässig neu zupositionieren.